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2018_04 Der Echte Tulsi

Tulsi
Am Beispiel des Heiligen Basilikum zeigen wir die Herausforderungen der "Botanischen Globalisierung" und wie man dennoch Verbrauchersicherheit herstellen kann.

Globalisierung auf botanisch – Herausforderungen für die Lebensmittelsicherheit

Die Rolle der Ernährung für die Gesundheit rückt seit einigen Jahren immer mehr ins Bewusstsein der Bevölkerung. Angesichts einer alternden Gesellschaft, die sich einem zunehmend stress-belasteten Arbeitsalltag gegenübersieht, wird diese Entwicklung weiter an Fahrt gewinnen. Sogenannte funktionelle Nahrungsmittel, oft auch reißerisch als „Superfood“ beworben, schaffen hier neuartige und stürmisch wachsende Märkte. Traditionelle Bezeichnungen von Pflanzen sind vor allem durch die menschliche Nutzung geprägt. Im Kontext der eigenen Kultur ist es in der Regel (aber auch da nicht immer) klar, wovon die Rede ist. Wenn diese Pflanzen nach Europa gebracht werden, wo dieser Kontext fehlt, sind Missverständnisse vorprogrammiert.

 

Fallbeispiel Tulsi - Heiliger Basilikum

Die Diskrepanz zwischen traditioneller und wissenschaftlicher Nomenklatur kann gut am Beispiel des Heiligen Basilikums oder Tulsi (Ocimum tenuiflorum) studiert werden. Diese im Ayurveda wichtige Pflanze wird seit einigen Jahren als „Adaptogen gegen Stress-Phänomene angepriesen und im Westen zu saftigen Preisen verkauft. Basilikum ist vermutlich die Medizinalpflanze mit der längsten dokumentierten Tradition, die über vier Jahrtausende zurückreicht – die ersten Beschreibungen finden sich schon in den Veden. Über diese lange Zeit hat sich eine komplexe und auch mehrdeutige Nomenklatur herausgebildet, die mit der unterschiedlichen Nutzung dieser Tulsi oder Tulasi genannten Pflanze zusammenhängt. Mit einem jährlichen Handelsvolumen von ungefähr 100 t allein an Basilikumölen ist „Tulsi“ ein bedeutendes Handelsprodukt, von dem es aber sehr unterschiedliche Formen gibt, unter denen Rama Tulsi, Krishna Tulsi und Vana Tulsi die wichtigsten sind. Wie diese Bezeichnungen taxonomisch zugeordnet werden, ist sehr unklar.

 

Unser Lösungsansatz und was dabei herauskam

Wir haben nun mithilfe verschiedener Genetic Barcoding Marker und mithilfe sorgfältig validierter und charakterisierter Referenzpflanzen aus dem Botanischen Garten des Karlsruher Instituts für Technologie die zahlreichen Arten und Formen der Gattung Basilikum untersucht und konnten vier sogenannte Haplotypen zeigen. Interessanterweise stellte sich heraus, dass Vana Tulsi gar nicht zur Art O. tenuiflorum gehört, sondern eine Variante der Art O. americanum ist. Auch hinsichtlich seiner Inhaltsstoffe, was wir mit High Performance Thin Layer Chromatography untersucht haben, weicht diese Form von Tulsi deutlich ab. Wir entwickelten daher einen einfachen PCR-basierten Gentest, bei dem über ein RFLP genanntes Verfahren bei dem ein diagnostisches Bandenmuster entsteht, das sofort anzeigt, ob eine Handelsprobe Vana Tulsi oder "Echten" Tulsi enthält.

 

Warum ist das wichtig?

Basilikum ist reich an sogenannten Chemotypen, also Formen, bei denen die aromagebenden Öle unterschiedlich zusammengesetzt sind. Darunter gibt es auch welche, die Methyleugonal oder Estragol bilden, Stoffe, die inzwischen als genotoxisch und krebserregend gelten. Inzwischen werden Basilikumsamen in Form sogenannter "Smoothies" unter dem Namen "Basilikum wie Chia", "Basilikum-Chia" oder gar einfach als "Chia" verkauft. Unser Gentest kann dazu beitragen, hier die Verbraucher davor zu schützen, dass sie problematische Formen von Basilikum zu sich nehmen.

 

Veröffentlichung

138. Jürges J, Sahi V, Rios D, Reich E, Bhamra S, Howard C, Slater A, Nick P. Product Authenticity versus Globalisation - The Tulsi Case. PloS ONE, in press