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LAUFENDE PROJEKTE
Schnupperpraktikum 2017

Die mysteriöse Esca-Krankheit macht dem Weinbau zunehmend zu schaffen. Scheinbar kerngesunde Weinstöcke sterben binnen einer Woche urplötzlich ab. In Frankreich sind schon über 15% der Weinberge betroffen, man vermutet, dass der globale Klimawandel die Ausbreitung dieser Krankheit befördert. Man kennt die Leiche, aber nicht den Mörder. Eine Reihe von holzbesiedelnden Pilzen werden als dringend tatverdächtig bezeichnet. Einige unserer Wildreben scheinen gegen die Krankheit gefeit - im Rahmen des soeben begonnenen Projekts Vitifutur versuchen wir gemeinsam mit der Arbeitsgruppe von Prof. Christoph Bertsch in Colmar zu verstehen, wie sich diese Krankheit herausbildet und warum manche Wildreben immun sind. Dazu wurde ein "Black-N'Decker" Test entwickelt, wobei man Rebhölzer mit einer Bohrmaschine anbohrt und dann mit Kulturen des verdächtigten Pilzes inokuliert. Nach einer Woche werden die inokulierten Hölzer aufgeschnitten und das Profil untersucht - je weiter weg von der Bohrung, umso früher das Stadium der Infektion. Fast alles liegt hier noch im Dunkeln. Im Projekt geht es erst mal darum, die zellulären Vorgänge der Infektion zu beobachten und sichtbar zu machen. Dazu werden anfällige und resistente Genotypen vergleichend untersucht, um eine erste Arbeitshypothese zu entwickeln. Pionierarbeit, die in jedem Fall zu neuen Einblicken führen wird. Es muss nur irgendeiner mal anfangen!

Schützen nützt: Unser Wildrebenprojekt

Forschung_Stilbene
In unserer Wildrebensammlung haben wir Pflanzen entdeckt, die besonders schnell und stark Abwehrstoffe bilden und dadurch gegen Krankheiten resistent sind.
Vision
Unsere Vision: durch molekulare Züchtung die Abwehrkraft der Wildrebe in die anfällige Kulturrebe zurückbringen.

Worum geht es bei dieser Forschung?

Wir arbeiten für einen Nachhaltigen Weinbau auf evolutionsbiologischer Grundlage. Aus einem Artenschutzprojekt für die fast ausgestorbene Europäische Wildrebe (die Stammform unserer Kulturrebe) entstand unerwartet eine wertvolle genetische Resource, die nun für die Züchtung krankheitsresistenter Reben eingesetzt werden kann.

 

Wie ist die Idee entstanden?

Die Weinrebe ist sehr anfällig gegen Krankheitserreger, was großen Aufwand für den Pflanzenschutz mit sich bringt. Beispielsweise gehen etwa 70 % der Fungizidproduktion auf das Konto des Weinbaus. Die meisten dieser Erreger, wie etwa der Falsche Mehltau der Weinrebe (Plasmopara viticola) haben sich gemeinsam mit wilden Weinarten entwickelt, die offenbar gut mit diesem Erreger zurechtkommen. Aber Krankheiten sind nicht alles: durch den Klimawandel bringt neue Herausforderungen wie Trockenheit oder Bodenversalzung. Die Evolution hat viele dieser Probleme schon gelöst. Können wir der Natur also in die Trickkiste schauen?

Wir haben dafür im Botanischen Garten eine umfangreiche Sammlung von Wildreben aus aller Welt etabliert und untersuchen nun, mit welchen Strategien sich diese Pflanzen gegen Krankheiten und abiotischen Stress zur Wehr setzen und welche besonderen Genvarianten hierfür wichtig sind. Besonders wertvoll: unsere Sammlung der Europäischen Wildrebe, der Stammform unserer Kulturrebe. Diese Sammlung bildet die komplette genetische Vielfalt ab, die in Deutschland noch übrig ist, ein wertvoller Schatz.

 

Was ist unsere Vision?

Wir denken nicht, dass man mit einem Wundergen alle Probleme meistern kann. Wir denken eher, dass wir einen Werkzeugkasten voller Genvarianten benötigen, die wir dann für verschiedene Herausforderungen unterschiedlich kombinieren können. Der Weg der Wahl heißt molekulare Züchtung und hat nichts mit Gentechnik zu tun, denn man greift auf die natürliche Sexualität der Pflanze zurück: Die in den Wildreben gefundenen Genvarianten werden auf herkömmliche Weise in Kulturreben eingekreuzt. Man benutzt jedoch das molekulare Wissen, das von uns und vielen Kollegen in einer internationalen Anstrengung zusammengetragen wurde, um unter den Nachkommen einer solchen Kreuzung schnell und präzise diejenigen herauszusuchen, mit denen man dann weiterarbeiten will. Einen langen Atem braucht man dennoch - Weinreben brauchen einige Jahre, bis sie zum ersten Mal blühen, bis man also weiterzüchten kann. Für die ersten Kreuzungen unserer Wildreben mit Kultursorten, wächst jedoch schon eine umfangreiche Nachkommenschaft heran, die in ein paar Jahren für den nächsten Züchtungsschritt zur Verfügung steht.