Home | english  | Impressum | Sitemap | KIT

Ravenala madagascariensis (Baum der Reisenden)

Ravenala
Der Baum der Reisenden ist mit seinen riesigen Blättern imposant. Die Blüte verrät die Zugehörigkeit zu den Ingwerartigen.
Ravenala_Frucht
Die blaue Farbe in Blüten und Früchten der Paradiesvogel-Gewächse ist eine Anpassung an die Bestäubung und Verbreitung durch kleine dämmerungsaktive Säugetiere.
Ravenala_Aye
Das mysteriöse Fingertier (Aye-Aye) hat sich an den Baum der Reisenden angepasst und nutzt das aus der Pflanze aufgenommene Pigment Bilirubin, um damit seinen Urin zum Leuchten zu bringen. Damit lässt sich sein Revier trefflich markieren.

Der Baum der Reisenden ist ein merkwürdiges Geschöpf der exotischen Lebewelt Madagaskars und wurde nicht umsonst als Wappensymbol dieses Landes ausgewählt. Als einziger Vertreter seiner Art hat er sich gemeinsam mit dem Lemuren Aye-Aye (Fingertier) auf eine merkwürdige evolutionäre Beziehung eingelassen, die ebenso exklusiv wie exotisch ist: Die auffällige Blüte erscheint oberhalb der mehrere Meter langen Blätter und verrät in Form und Farbe die Verwandtschaft mit der Paradiesvogelblume (Strelitzie).

Das Fingertier bestäubt die Blüte nicht nur, sondern hilft später auch bei der Verbreitung der Früchte. Es gibt freilich ein Problem: das Fingertier ist in der Dämmerung unterwegs und daher beinahe farbenblind. Es kann freilich nahes UV-Licht wahrnehmen, denn dieses Licht ist in der blauen tropischen Dämmerung gut vertreten. Der Baum der Reisenden lagert nun in seine Blüten und vor allem auch in seine Früchte blaue Farbstoffe ein, die für das Fingertier gut sichtbar sind. Doch damit nicht genug: in den Früchten ist das Pigment Bilirubin eingelagert, das durch nahes UV-Licht zur Fluoreszenz angeregt wird und in der Abenddämmerung dann gelb zu leuchten beginnt.

Das Fingertier sondern nun diesen Leuchtfarbstoff mit seinem Urin wieder ab und markiert so sein Revier. Aus den sonst bei Säugern üblichen Duftmarken sind so Leuchtmarken geworden. Der merkwürdige Name dieses merkwürdigen Baums wird so hergeleitet, dass das Wasser, das sich in den Achseln der riesigen Blätter sammelt, durstigen Reisenden als Notvorrat dient. Freilich sollte man diese Deutung nicht experimentell ausprobieren – das Wasser ist nämlich in der Regel durch Mückenlarven und Parasiten derart verseucht, dass ein Reisender, der daraus trinkt, wohl bald danach das Zeitliche segnen würde….