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Botanik in Karlsruhe - älter als die Universität!

Genetik
Abstammungslinie der Genetik: ohne den Karlsruher Botaniker Kölreuter hätte Mendel seine Gesetze nie gefunden.
Hecker_Blankenhorn
Der badische Revolutionär Hecker motivierte den Botaniker Blankenberg dazu, hier in Karlsruhe das erste Weinforschungsinstitut zu gründen.

Karlsruhe zählt zu den jüngeren Universitäten in Deutschland und war ursprünglich als Ingenieurschule konzipiert. Man würde daher denken, dass die Biologie hier sehr jungen Datums ist. In der Tat ist die Botanik hier in Karlsruhe weit älter als die Universität und diese Geschichte sollte auf diesen Seiten einmal erzählt werden...

Die Wiege der Pflanzen-Genetik

Nur wenige wissen, dass Karlsruhe die Wiege der Pflanzen-Genetik ist - der Karlsruher Botaniker Joseph Gottlieb Kölreuter bewies mit einem ebenso einfachen wie bahnbrechenden Experiment, dass beide Eltern (nicht nur der Vater, wie man damals gemeinhin glaubte) in gleichem Maße zur Vererbung beitragen. Er kreuzte (nach vielen vergeblichen Vorversuchen) zwei wilde Tabakarten, die sich in ihrer Blütenform unterschieden und zeigte, dass die Kinder genau in der Mitte zwischen den Eltern stehen. Damit gewann er vor etwas mehr als 250 Jahren nicht nur einen von der russischen Zarin Katharina ausgeschriebenen Wissenschaftspreis, sondern hatte damit ohne es zu wissen die Genetik begründet. Ein ganzes Jahrhundert später schildert Mendel in seiner berühmt gewordenen Schrift ausführlich die Kölreuterschen Arbeiten und leitet daraus seine eigenen Versuche ab.

Wein und Revolution

Im vergangenen Jahr wurde in Gegenwart des Landwirtschaftsministers Bonde am Weinbauinstitut Freiburg die Neuzulassung von 6 neuen sogenannten PiWi-Reben (für Pilz-Widerstandsfähig) der Presse vorgestellt. Damit soll der Ökoweinbau gestärkt und generell die Menge an chemischem Pflanzenschutz vermindert werden. Kaum einer weiss, dass diese Erfolgsgeschichte vor etwa 150 Jahren hier in Karlsruhe begann: Nach dem Scheitern seiner politischen Träume emigrierte der badische Revolutionär Friedrich Hecker in die USA. Dort widmete er sich dem Weinbau und wurde auf die natürliche Immunität amerikanischer Wildreben gegen allerlei Krankheiten und Schädlinge aufmerksam. In einer fast zwei Jahrzehnte überzeugte er Adolph von Blankenhorn, der in Karlsruhe ein privates Weinforschungsinstitut unterhielt, dass man diese robusten Wildreben doch nutzen könne, um den verheerenden Schäden der damals nach Europa eingeschleppten Rebenkrankheiten wie Reblaus, Falscher Mehltau und Echter Mehltau Einhalt zu gebieten. Hecker versuchte vergebens aus diesen Wildreben ordentlichen Wein zu keltern, aber die Samen, die er Blankenhorn schickte waren der Ausgangspunkt für die heute gängige Praxis, die Reblaus durch Pfropfen der Edelreben auf sogenannte "Amerikaner-Wurzelstöcke" zu unterdrücken. Kurz danach begann man, in einem langwierigen und mühsamen Züchtungsprozess durch Einkreuzung dieser Wildreben die Resistenz von dem unangenehmen Geschmack (dem sogenannten "Fuchston" der Amerikanerreben) zu trennen. Nach etwa 100 Jahren Züchtung hat man mit den PiWis inzwischen endlich Erfolg. Das 2005 begonnene Wildrebenprojekt am Botanischen Garten knüpft also wieder bei den Ursprüngen an.


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