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Die Uhr der Evolution

Dinosaurier
Im Schatten der Dinosaurier entstanden die ersten Samenpflanzen (Bild aus André und Vogellehner, Wir entdecken die Vorzeit, Herder-Verlag, Freiburg)
Die Evolution auf unserer Erde hat eine Geschichte von fast 5 Milliarden Jahren. Die Vielfalt der heutigen Pflanzenwelt ist nicht über Nacht entstanden, sondern im Laufe eines langen Evolutionsprozesses, der vor über 2 Milliarden Jahren mit der Entstehung der sogenannten Blaualgen (richtiger Cyanobakterien) begann und vor etwa 100 Millionen Jahren mit der explosionsartigen Entstehung der Blütenpflanzen seinen vorläufigen Höhepunkt fand. Warum "vorläufiger Höhepunkt"? Nun, die Evolution hört nie auf, auch jetzt noch entstehen und vergehen Arten (wobei zur Zeit das Vergehen leider die Oberhand hat...).
 
Will man verstehen, woher die heutigen Arten herstammen, muss man diese Geschichte kennen. Eine Schlüsselrolle dabei sind sogenannte "lebende Fossilien", das sind Arten, die aus früheren Erdaltern übriggeblieben sind. An diesen "Urpflanzen" kann man das, was man von fossilen Funden her weiß, überprüfen und ergänzen. Man kann aber mit diesen "Urpflanzen" auch noch Experimente durchführen. Beispielsweise kann man die Gene dieser "Urpflanzen" untersuchen und mit den Genen "moderner" Pflanzen vergleichen. Daraus lassen sich nicht nur Verwandtschaftsverhältnisse bestimmen. Da die Evolution ja auf erblichen Veränderungen beruht (Eigenschaften eines Organismus, die nicht auf die nächste Generation vererbt werden, führen ja nicht zu dauerhaften Veränderungen), kann man in den Genen die Spuren des Evolutionsvorgangs unmittelbar nachverfolgen und so der Evolution "bei der Arbeit" zusehen.
 
Aus diesem Grund werden im Botanischen Garten solche "Urpflanzen" kultiviert und auch intensiv für die Forschung genutzt.

Primitive Samenpflanzen

Cycas
Die kleinen palmenartigen Pflanzen aus der Gruppe der Bennettitidae starben später aus, aber die sehr ähnlichen Palmfarne der Gattung Cycas überlebten
Gnetum gnemon
Blüte der Urpflanze Gnetum gnemon - ein Schlüsselobjekt für die pflanzliche Evolutionsforschung
Ein besonders schwieriges Gebiet ist die Entstehung der ersten Samenpflanzen aus farnartigen Vorläufern. Schwierig auch deshalb, weil es hier mehrere "Versuche" der Evolution gegeben hat, von denen viele ausgestorben sind. Manche haben zwar bis auf den heutigen Tag überlebt, allerdings nur in ganz wenigen, manchmal nur in einer einzigen Art.
 
Eine von diesen lebenden Fossilien ist der urtümliche Nacktsamer Gnetum gnemon. Diese Art besitzt männliche und weibliche Blüten. Bei den weiblichen Blüten gibt es mehrere Hüllorgane, von denen man vermutet, dass sie den "Vorfahren" für die uns bekannten Blütenorgane (Kelch- und Kronblätter) darstellen könnten.
 
Es handelt sich um eine Spezialität des Botanischen Gartens in Karlsruhe, die immer wieder von Forschern aus aller Welt nachgefragt wird. Beispielsweise hat man mithilfe unserer Gnetum-Bäume herausgefunden, woher die sogenannten MADS-Box Gene stammen, das sind Gene, die in den Blütenorganen angeschaltet werden und dafür verantwortlich sind, dass aus einem Blütenblatt ein Kron- oder ein Kelch-, ein Staub- oder ein Fruchtblatt wird.
 
Publikationen, die so entstanden sind:

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