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Sexuelle Symbiosen

Kropotkin
Der russische Anarchist und Naturforscher Pjotr Kropotkin zeigte, dass in der Evolution Kooperation das erfolgreichere Modell ist. Die Sexualität der Pflanzen liefert hierfür viele eindrückliche Beispiele.
Aye-Aye
Das skurrile Fingertier Aye-Aye lebt in einer bizzarren sexuellen Symbiose mit dem Baum der Reisenden: tausche Pflanzensex gegen Leuchturin, um Paarungsrivalen fernzuhalten...

Pflanzen sind Meister der Manipulation. Kein noch so krankes Hirn hätte sich ausdenken können, mit welch raffinierten Tricks Pflanzen andere Organismen für ihre Bedürfnisse einspannen. Gibt es in diesem Zoo von Locken, Täuschen, Quälen irgendeine Ordnung? Auf den ersten Blick nicht, auf den zweiten Blick durchaus. Es gibt nämlich so etwas wie evolutionär stabile Strategien. In dem Augenblick, wo es der Pflanze gelingt, die Sexualität des Bestäubers zu unterwandern, entsteht eine Art Endpunkt. Dieser Endpunkt wird dann stabil, wenn der Bestäuber jenseits der Belohnung durch Nektar oder Pollen einen Vorteil für seine eigene Fortpflanzung gewinnt. Nun ist eine symbiotische Beziehung entstanden, die beiden nur Vorteile bringt. Auch wenn Evolution gerne immer als Kampf ums Dasein dargestellt wird - Kooperation, Zusammenarbeit ist eigentlich viel häufiger und auch erfolgreicher:

Baum der Reisenden und Fingertier

Der Baum der Reisenden ist ein nur auf Madagaskar vorkommender Verwandter der Bananen und Paradiesvogelblumen. Er lebt in einer skurrilen Symbiose mit dem Fingertier Aye-Aye, das mit seinem ewig langen Mittelfinger nicht in seiner Nase, sondern in faulem Holz popelt und so allerlei Maden erjagt. Die Ökologie spricht davon, dass das Fingertier auf Madagaskar die ökologische Nische des Spechts besetzt, nur mit anderen Mitteln. Dieser Lemure nascht auch am Pollen des Baums der Reisenden. Soweit, so alltäglich. Aber jetzt wird es wirklich exotisch: Der Baum stellt seinem Bestäuber als Belohnung nicht nur den nahrhaften Pollen zur Verfügung, sondern produziert in diesem Pollen auch einen blau fluoreszierenden Farbstoff, Bilirubin. Dieser Farbstoff wird im Darm des Bestäubers nicht abgebaut, sondern unverdaut im Urin ausgeschieden. In der Dämmerung leuchtet er bläulich und das Fingertier markiert so sein Revier - das funktioniert sehr gut. Das Fingertier ist nämlich weitgehend farbenblind, kann aber blau sehr gut sehen. Durch blaue Leuchtfarbe hält es so Konkurrenten von seinen Weibchen, seiner Nahrung und natürlich seinem Nest fern. Der Deal lautet also: Du hilfst mir durch Bestäubung bei meiner Fortpflanzung, ich zahle Dir mit leuchtendem Urin zurück und helfe Dir so bei Deiner Fortpflanzung.