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Cyperus papyrus (Papyrus)

Papyrus
Im Grunde ist alles im Papyrus aus röhrenförmigen Bausteinen zusammengesetzt - diese Telome verweisen in die frühe Vergangenheit der Landpflanzen, wie sie in den Urfarnen schon angelegt war.

Die alten Ägypter bezeichneten ihn als Geschenk des Nils; denn aus seinen biegsamen und beständigen Stängeln liess sich von Fussmatte bis zum Hausdach alles fertigen, was ein Mensch zum Leben braucht. Das Körbchen, in dem Moses gefunden wurde, war mit ziemlicher Sicherheit aus Papyrus gefertigt. Sogar Boote konnte man daraus herstellen, wie der norwegische Forscher und Abenteurer Thor Heyerdal bewies, indem er mit einem Papyrusboot den Atlantik überquerte. Ins Gedächtnis der Menschheit eingegraben hat sich diese Pflanze jedoch als einer der wichtigsten Träger für geschriebene Information. Dieses unter günstigen Bedingungen über Jahrtausende haltbare Material war so wichtig, dass wir heute noch das Wort Papier davon ableiten, obwohl unser modernes Papier einen ganz anderen Ursprung hat - die Herstellung von Papier aus verschiedenen Pflanzenfasern wurde ja in China entwickelt und gelangte über die Araber nach Europa.

Das Wort papyros ist vermutlich eine griechische Verballhornung des ägyptischen pa-en-per-aa, was ungefähr "das, was dem Pharao gehört" bedeutet. Dies wird so gedeutet, dass die Papyrus-Herstellung unter einem staatlichen Monopol stand. Der Zusammenhang zwischen geschriebener Information und staatlicher Macht wird hier sinnfällig. Die Griechen beschrieben das Potential des neuen Materials sehr rasch und dies ist vermutlich der Grund, warum der Papyrus "wild" auch außerhalb Ägyptens in verschiedenen Stellen im Mittelmeerraum vorkommt. Die "wilden" Papyrusbestände bei der sizilianischen Stadt Syracusa sind vermutlich Zeugen davon - diese Stadt war ja eine der wichtigsten griechischen Kolonien.

Die Herstellung von Papyri (so die Mehrzahl von Papyrus) benötigte keine Zutaten, sondern nur die Pflanze selbst. Plinius der Ältere beschreibt, wie man einfach das Mark der Stängel in Streifen schnitt und kreuzweise aufeinanderlegte und danach presste und auch schlug. Dadurch tritt der stärkehaltige Zellsaft aus und verklebt die Streifen als natürlicher Kleister. Nun muss man das Ganze nur noch trocknen und polieren, danach konnte man es mit einer Tinte aus Russ und Gummi arabicum, oder einer aus Ockererde gewonnenen roten Farbe mithilfe von Rohrpinseln beschreiben. Die Breite der Papyrusbahnen entsprachen ziemlich genau der Länge eines deutschen DIN A4 Blattes (30 cm), die Blätter wurden freilich zu langen Bahnen verbunden, die man dann aufrollte. Je nach Inhalt konnte so ein Text mehrere Meter lang sein, den Rekord hält der im Auftrag von Ramses III gefertigte Papyrus Harris I, in dem penibel alle Opfergaben des Pharao an die verschiedenen Tempel gelistet sind - das war wichtig, denn von diesen Gaben hing ja das Wohlergehen im Jenseits ab. Daher erreichte dieses Opus dann 40 Meter Länge.  

Biologisch gesehen gehört der Papyrus zu den Sauergräsern, einer Schwestergruppe der Süßgräser (zu denen unsere Getreide zählen). Seine dreikantigen Stängel treiben aus sehr robusten unterirdischen Rhizomen aus (das sind Sprosse, die unter der Erde waagerecht wachsen) und bilden die charakteristischen, nestartigen Blütenstände, die an riesenhafte Vertreter unserer Binsen und Seggen (auch dies sind Sauergräser) erinnern. Die Kultivierung von Papyrus ist einfach, man muss dazu einfach nur ein Stück des Rhizoms abschneiden und in den Matsch stecken. Die Pflanze ist an die tropische Sonne angepasst und kann über eine sogenannte C4-Photosynthese verhindern, dass bei starkem Licht ein Teil der gebildeten Assimilate wieder veratmet werden. Dies erlaubt es dem Papyrus, sehr schnell eindrucksvolle Höhen zu erreichen. Durch diese Anpassung kann Papyrus sehr schnell wachsen und eindrucksvolle Höhen erreichen - man kann dies im Seerosenhaus schön sehen. Dabei ist Papyrus kein Strauch - anders als die zweikeimblättrigen Pflanzen fehlt ihm die Gabe, durch Holzbildung dicker zu werden.

Inzwischen glaubt man, dass einkeimblättrige, amphibisch lebende Pflanzen so wie der Papyrus relativ nahe am Ursprung der Blütenpflanzen stehen und in einer direkteren Linie auf die primitiven, ebenfalls amphibischen Urfarne zurückgehen. Gemäß dieser sogenannten "Monocots first" Hypothese wären die holzbildenden Zweikeimblättrigen später aus solchen amphibischen Vorfahren durch den Trick eines Dickenwachstums abgeleitet. Auch wenn dem Papyrus dieser Kniff der Zweikeimblättrigen noch abgeht, kann er eindrucksvolle Höhen erreichen, wie man kann dies im Seerosenhaus schön sehen kann.