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April: Huflattich (Tussilago farfara)

Huflattich
„Abgehärtet blüht schon lange der Huflattich, faltet schnell seine rötlichen Deckblätter, wenn die Sonne vor dem Winde fliehen muss.“ Bukolisches Tagebuch, 15. April 1929

Wie viele Pflanzen, die im zeitigen Frühjahr blühen, hat der Huflattich in ausgedehnten Speicherwurzeln, die bis über zwei Meter Länge erreichen können, den dafür notwendigen Vorrat an Energie schon im Herbst vorgehalten und kommt ohne Umschweife zur Sache: die prächtig gelben Blütenstände entfalten sich vor den Blättern. Zur Zeit der Blüte ist der Spross tatsächlich nur von kleinen, rötlichen Deckblättern bedeckt, wie es Lehmann zutreffend beschreibt. Die großen, flaumig behaarten Laubblätter folgen erst nach der Blüte und haben der Pflanze den Scherznamen „Wanderers Klopapier“ eingetragen. Die Deckblätter sind durch sogenannte Anthocyane rötlich gefärbt, die im Zusammenhang mit Schutzpigmenten gegen ultraviolettes Licht entstehen. Aufgrund dieser „chemischen Sonnenbrille“ kann der Huflattich auch bis hoch ins Gebirge vordringen, wo er oft auf Kiesbänken von Flüssen anzutreffen ist.

 

Was von den meisten Menschen als Blüte angesehen wird, ist in Wirklichkeit ein Blütenstand aus bis zu 300 Zungenblüten, die als prächtig gelb gefärbte Sonnenstrahlen nach außen weisen und nur etwa 50 Röhrenblüten, die das rötlichere Zentrum der Sonne bilden. Die Zungenblüten sind sämtlich weiblich, bei ihnen sind die männlichen Staubblätter zurückgebildet, während bei den Röhrenblüten umgekehrt nur die männlichen Organe ausgeprägt werden. Zudem sind die Zungenblüten asymmetrisch – auf der Außenseite tragen sie ein übergroßes, fahnenartiges Kronblatt, wodurch der strahlenartige Eindruck entsteht. Die Röhrenblüten sind hingegen symmetrisch ausgebildet, hier sind die Kronblätter allseitig klein ausgebildet. Woher „wissen“ die sich einzelnen Blüten, wo sie sich in diesem Gesamtgebilde befinden? In Experimenten, bei denen man mithilfe eines kleinen Schraubstocks einen werdenden Blütenstand von allen Seiten milde zusammenpresste, bildeten sich alle Anlagen zu Röhrenblüten aus. Man nimmt daher an, dass der mechanische Druck von den Nachbarn für die unterschiedliche Ausprägung der Blüten verantwortlich zeichnet. Auf der Außenseite, wo kein Gedränge herrscht, wächst das Kronblatt stärker aus, wodurch die Zungenblüte entsteht, innen, wo die Blüte von allen Seiten bedrängt wird, bleibt das Kronblatt klein, so dass sich eine Röhrenblüte entwickelt. Durch das Zusammenwirken der Einzelblüten entsteht ein sehr attraktives Ganzes, was vor allem Bienen und Schwebfliegen anlockt.

 

Der lateinische Name Tussilago leitet sich von tussis (Husten) ab – die Wirkung wurde schon von Galenos vor über zwei Jahrtausenden beschrieben und wird vermutlich durch den Inhaltsstoff Bisopolen-Epoxid verursacht, der den Nitroxid-Signalweg unterdrückt, der den Hustenreiz auslöst. In letzter Zeit ist der Huflattich aufgrund von Pyrrolizidin-Alkaloiden in Verruf geraten, die als kanzerogen gelten und bisweilen in Korbblütlern gefunden werden, freilich nur sporadisch. Wenn aus diesem Grund eine altbewährte Heilpflanze verdammt wird, wird das Kind mit dem Bade ausgeschüttet – Huflattich-Tee wird ja nicht jeden Tag getrunken, sondern nur ab und zu, um lästigen Hustenreiz wirksam zu beruhigen.