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Moringa oleifera (Meerrettichbaum)

Moringa_oleifera
Um die verschiedenen Arten sicher unterscheiden zu können, muss man warten, bis die Pflanze blüht. Wir hatten Glück und können jetzt sicher sein, dass unsere Belegpflanzen auch wirklich Moringa oleifera sind
Moringa_stenopetala
Der Afrikanische Meerrettichbaum (hier ein Bild aus Somalia) hat im Gegensatz zu M. oleifera einen geschwollenen Stamm.

Im Palmenhaus steht er nördlich des dominierenden Riesenbambus, noch als schlankes Bäumchen mit elegant gefiederten Blättchen, aber trotz der erst zwei Jahre schon schnell in die Höhe wachsend: der Moringabaum. Ursprünglich aus Indien stammend und mit indischen Siedlern inzwischen in alle tropischen Länder gelangt, hat es Moringa oleifera inzwischen zu beträchtlichem Ruhm als sogenanntes "Superfood" gebracht. Für ein Döschen mit Moringakapseln legen gesundheitsbewusste Verbraucher und vor allem Verbraucherinnen inzwischen schnell 30-50 € auf die Ladentheke.

In mehreren Projekten untersuchen wir am Botanischen Institut, ob dieser Ruf eigentlich gerechtfertigt wird, ob diese hierzulande früher unbekannte Pflanze wirklich das ist, was auf der Packung steht und ob die Handelsproben ihren hohen Preis wirklich rechtfertigen.

In seiner indischen Heimat ist Moringa seit mehreren Jahrtausenden Teil der ayurvedischen Lebensweise und wird zur Heilung oder zur Vorbeugung, oft in kleinen Mengen, aber regelmäßig eingenommen. Es gibt mehrere Arten von Moringa und diese werden auch durchaus unterschiedlich genutzt, wobei nicht klar ist, welche traditionelle Bezeichnung welcher Art entspricht. Neben Indien ist vor allem Ostafrika ein Ursprungszentrum für die Gattung Moringa. Die afrikanischen Moringabäume bilden zwar auch die charakteristischen Senföle, aber sehen sonst ganz anders aus, da der Stamm schon in jungen Jahren flaschenförmig aufquillt - einen solchen, noch jungen, aber schon anschwellenden Afrikanischen Meerrettichbaum (M. stenopetala) kann man im Südteil des Subtropenhauses besichtigen.

Durch den Superfood-Boom in Europa und Nordamerika ist die Nachfrage nach Moringa binnen kurzer Zeit extrem angeschwollen und zahlreiche Entwicklungsländer springen auf diesen Zug auf. Was da jeweils angebaut wird - der ursprüngliche M. oleifera, afrikanische Arten oder Kreuzungen solcher Arten - ist weitgehend unbekannt. Inwiefern sich die gesundheitsfördernde Wirkung unterscheidet, ebenfalls - das liegt auch daran, dass man eigentlich noch gar nicht weiß, auf welche Inhaltsstoffe es ankommt. Der gerne angepriesene Gehalt an Proteinen und Vitaminen kann es unserer Meinung nach nicht sein - an Proteinmangel leidet hierzulande sicherlich niemand. Die in der ayurvedischen Medizin beschriebenen sehr präzisen Wirkungen sind vermutlich eher sogenannten Sekundärstoffen zuzuschreiben, die sich selbst bei verwandten Pflanzenarten oft ziemlich unterscheiden. Wir haben daher versucht, den Gehalt an sogenannten Phytoöstrogenen (Isoflavon-Verbindungen mit milder hormoneller Wirkung, die zum Beispiel in den Wechseljahren Linderung verschaffen können) zu vergleichen und mussten dann feststellen, dass diese Verbindungen gar nicht nachweisbar waren, weder in unseren Belegpflanzen noch in Handelsproben. Beim Versuch, die wissenschaftliche Quelle für diese oft kolportierte Behauptung zu finden, stießen wir auf - nichts. Es handelt sich bei den Phytoöstrogenen also vermutlich um eine Ente. Wir vermuten eher, dass die für den meerrettich-artigen Geschmack verantwortlichen Senfölglykoside für die medizinische Wirkung verantwortlich sein können. Hier gibt es zwischen den Arten und sogar innerhalb der Art M. oleifera deutliche Unterschiede in der Menge, was sich nicht nur in deutlichen Geschmacksunterschieden niederschlägt, sondern auch in großen Unterschieden in der Häufigkeit sogenannter Idioblasten (das sind besonderen Sekretionszellen in Blättern und Stengeln, die wir mikroskopisch nachweisen konnten).

Ob also wirklich alle Moringaprodukte, die bei uns verkauft werden also wirklich als Superfood gelten können, ist unserer Meinung nach zumindest zweifelhaft. Was wir bei unseren Recherchen freilich herausgefunden haben, ist ein ganz anderes Problem: viele der Moringaprodukte waren verdeckt von Schimmelpilzen befallen - kein Wunder, beim Trocknen der Blätter unter tropischen Bedingungen ist es sehr schwer, einen solchen Befall zu vermeiden. Diesen Befall sieht man jedoch erst, wenn man die Produkte für einige Tage auf sterilem Nährmedium hält. Mithilfe molekulargenetischer Marker konnten wir diese Pilze bestimmen - es sind durchgängig ziemlich üble Gesellen, die sogenannte Mycotoxine wie Aflatoxin oder Ochratoxin produzieren, also Stoffe, die sehr krebserregend sind. Momentan arbeiten wir an einem Gentest, womit man den Befall in Handelsproben ohne diese zeitaufwendige Kultivierung direkt nachweisen kann.