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Selinum dubium (Sumpf-Brenndolde)

Selinum dubium
Die Sumpf-Brenndolde, aufgenommen am Naturstandort in der Nähe von Speyer (Foto: M. Sommerfeld)

Im Landkreis Ludwigshafen ist westlich von Speyer ein Naturschutzgebiet mit dem Namen “Kandelwiese” zu finden. Es liegt inmitten eines großen eiszeitlichen Flugsandgebietes: Trockene Wälder mit ihrer typischen Vegetation beherrschen in dieser Gegend das Landschaftsbild. Mitten in diesem Sandgebiet liegt die "Kandelwiese" - ein Feuchtgebiet, das man an dieser Stelle nicht vermuten würde. Die Erklärung hierfür ist aber einfach. Die westlich von Speyer liegenden Feuchtwiesen nennt man auch Stromtalwiesen: Bäche und Flüsse aus dem höher gelegenen Bergland lagern auf ihrem Weg in tieferes Gelände Geröll, Verwitterungsschutt, Sand und tonreichen Schlamm ab. In der Ebene werden vor allem die feinen Materialien flächenhaft aufgeschüttet, es bildet sich ein so genannter Schwemmkegel. Im Landkreis Ludwigshafen sind die aus Richtung Neustadt fließenden Gewässer für die Entstehung der Schwemmfächer westlich von Speyer verantwortlich. Aufgrund der vielfältigen Untergründe wechseln sich trockene und feuchte Standorte regelmäßig ab oder liegen sogar direkt neben einander. Weiterhin ist für Stromtalwiesen ein extrem unausgeglichener Wasserhaushalt charakteristisch. Mit der Schneeschmelze einsetzende Hochwässer führen im Frühjahr oft zu wochenlangen Überschwemmungen, während die Böden in den Sommermonaten stark austrocknen. Aus diesen Bedingungen resultiert eine ganz eigene Vegetation, ein Nebeneinander von nässetoleranten Sumpf- und Flutrasenarten sowie trockenheitstoleranten Arten der Steppenrasen und Saumgesellschaften. Allen Arten ist gemeinsam, dass sie sowohl längere Überschwemmungen als auch eine starke Austrocknung der Standorte ohne größere Schäden überstehen.

Eine typische Pflanze der Stromtalwiesen ist die Sumpf-Brenndolde (Selinum dubium, Synonym Cnidium dubium). Sie gehört zur Familie der Doldenblütler und erreicht eine Wuchshöhe zwischen 30 und 90 cm. Die weißen Doldenblüten zaubern im Spätsommer noch einige weiße Farbtupfer in die zu dieser Jahreszeit ansonsten eher blütenarmen Feuchtwiesen.

Aufgrund ihrer Seltenheit gehören Stromtalwiesen zu den bundesweit am stärksten bedrohten Pflanzengesellschaften. So ist auch die Sumpf-Brenndolde in Baden-Württemberg ebenso wie in Rheinland-Pfalz von Aussterben bedroht. Bei einer intensiven Kartierung der Stromtalwiesen entlang des Rheines zwischen Rastatt und Mannheim durch Martin Sommerfeld konnte 2012 lediglich ein einziger Fundort mit wenigen Pflanzen bestätigt werden. Aufforstung von Feuchtwiesen, intensive Beweidung, ausbleibende Überflutungen und Trockenlegung der Feuchtwiesen sowie die Regulierung großer Flüsse sind die Hauptursachen für den starken Rückgang der Stromtalwiesen. Um die Sumpf-Brenndolde vor dem Aussterben zu bewahren, wurde die Art am Botanischen Garten des KIT im September 2004 in Erhaltungskultur genommen. Die Art wurde dabei aus Samen, die Pflanzen aus dem oben beschriebenen Naturschutzgebiet "Kandelwiese" entstammen, vermehrt.