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Das Wildreben-Projekt

Vitis vinifera ssp. sylvestris
Blätter von Vitis sylvestris an einer Mauer (Foto: K. Knoch)
Weibliche Vitis "Rosa"
Beeren unserer „Rosa“, einer weiblichen Europäischen Wildrebe von der Halbinsel Ketsch. Diese Stamm-Mutter unserer Reben ist fast ausgestorben. Im Gegensatz zu unserer Kulturrebe, die zwittrig ist, ist die Wildrebe zweihäusig.
Vitis vinifera ssp. sylvestris
Herbstaspekt einer kultivierten Weinrebenart (Foto: K. Knoch)

Was will das Projekt?

Die Europäische Wildrebe (Vitis sylvestris) ist die Stammform unserer Kulturrebe. Sie kommt nur noch an sehr wenigen Standorten in den Oberrheinauen vor und steht kurz vor der Auslöschung. In einem vom Bund geförderten Projekt haben wir daher, gemeinsam mit dem Auen-Institut Rastatt, alle noch überlebenden Wildreben genau kartiert und mithilfe eines genetischen Fingerabdrucks (so wie man ihn beim Vaterschaftstest einsetzt) die Familienbeziehungen innerhalb der Wildreben bestimmt.

Von allen Individuen wurden Steckhölzer gewonnen und im Garten angezogen. Wir haben hier nun also eine Art „genetische Arche Noah“, wo die gesamte Population der Wildrebe abgebildet ist. Aus diesen Steckhölzern werden nun im zweiten Schritt wieder neue Wildreben angezogen und an geeigneten Standorten in die Auenwälder ausgebracht. Durch eine wissenschaftliche Begleitung soll erreicht werden, dass die „ausgewilderten“ Reben wieder eine lebensfähige Wildpopulation begründen. Diese Wildpopulation soll dann auch in der Lage sein, sich nach unserer „Starthilfe“ selbstständig zu halten und auszubreiten.

 

Wildreben für den biologischen Pflanzenschutz

Nur wenige Menschen wissen, dass es die Europäische Wildrebe überhaupt gibt – wozu also der Aufwand, um diese Art zu erhalten, die nur von ein paar Spezialisten wahrgenommen wird? Natürlich ist jede Art ein Wert an sich, der geschützt werden sollte. Darüberhinaus gibt es aber noch ganz handfeste praktische Gründe, warum sich der Aufwand lohnt:
Unsere Untersuchungen zeigten, dass einige der Wildreben gegen Krankheiten wie den Falschen Mehltau und die Schwarzfäule immun sind. Die Wildrebensammlung des KIT stellt daher ein sehr wertvolles Reservoir für die Züchtung von pilzresistenten Reben dar. Vor allem gegen die Schwarzfäule war bislang keine Immunität bekannt.

Die Züchtung von resistenten Sorten ist derzeit der wirksamste Weg, das im Weinbau sehr intensive „Spritzen“ zu vermeiden. Seit über einem Jahrhundert werden schon resistente, aber nicht wohlschmeckende Wildarten aus Nordamerika in Kulturreben eingekreuzt. Zum ersten Mal kann man nun versuchen, die weit schmackhaftere Europäische Wildrebe für die Resistenzzüchtung einzusetzen. Gemeinsam mit Forschungsinstituten in Siebeldingen und Neustadt versuchen wir nun, Reben zu züchten, die ohne chemischen Pflanzenschutz auskommen und daher auch für den biologischen Weinbau eingesetzt werden können.

 

Woher kommt diese Immunität?

Die Resistenzen in einigen Familien der Europäischen Wildrebe sind überraschend, weil diese Krankheiten erst vor 150 Jahren aus Nordamerika nach Europa eingeschleppt wurden. Diese Zeit ist für die Evolution ein Augenblick und es ist sehr unwahrscheinlich, dass die Wildrebe sich in dieser kurzen Zeit an diese Krankheiten anpassen konnten – unsere Kulturrebe konnte es ja nicht (weshalb im Weinbau so viel gespritzt werden muss).

Offenbar handelt es sich um ganz andere Wege der Resistenz als bei den bisher für die Resistenzzüchtung benutzten „Amerikanerreben“. Wir sind nun dabei, die Ursachen dieser rätselhaften Immunität zu untersuchen. Unsere ersten Befunde legen nahe, dass der Aufbau der Spaltöffnungen hierfür eine wichtige Rolle spielt; denn hier dringt der Falsche Mehltau in die Pflanze ein und hier gibt es bei der Wildrebe einen zusätzlichen „Dichtungsring“, der das Eindringen möglicherweise verzögert oder gar unmöglich macht.

Besichtigen Sie einmal unsere umfangreiche Sammlung verschiedener Wildreben-Arten im Freiland-Bereich, es lohnt sich!