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Kölreuterversuch
Kölreuterversuch
Warum Kölreuter ein Tabu brach...

Im 18. Jahrhundert war die Naturtheologie in Mode. Man hatte eingesehen, dass wir Gott nicht sehen können, also wurde gesagt, Gott zeige seine Gestalt in seiner Schöpfung. Die Vorstellung, dass nun Blüten Geschlechtsorgane seien, die zu alledem noch prächtig verziert und zur Schau gestellt werden, wurde als Blasphemie verworfen. Es gab sogar Versuche, Botanik als „moralisch bedenklich“ zu beschränken und zumindest Frauen daran zu hindern, sich wissenschaftlich mit Pflanzen zu befassen.

Kölreuters Entdeckung

Kölreuter
Joseph Kölreuter gewann mit einem genial einfachen Experiment den Preis der Russischen Akademie der Wissenschaften und wurde der erste Direktor des Karlsruher Botanischen Gartens
Koelreuterversuch
Der Knackpunkt bei Kölreuters Versuch - der Hybrid liegt genau in der Mitte zwischen Vater und Mutter. Es wurde also gemischt!

 

Die Frage, ob Pflanzen ein Geschlechtsleben kennen bewegte im 18. Jahrhundert die Gemüter. Zwar war schon bekannt, dass man Blüten bestäuben muss, um Früchte zu erhalten, aber man sah den Pollen nur als eine Art Erwecker der „Keime“, die in der weiblichen Blüte schlummern.

Die Vorstellungen über Sexualität waren noch sehr nebulös – man glaubte, dass auch beim Menschen die Frau nur als Gefäß diene, in dem der männliche Samen sich zu einem neuen Menschen entwickelt. Um diese Debatte zu entscheiden, schrieb die russische Zarin Katharina die Große einen Preis aus:

Der Preis ging an Joseph Kölreuter für einen verblüffend einfachen Versuch, der den Streit entschied. Er benutzte zwei wilde Tabakarten, die sich in ihrer Blütenform deutlich unterschieden und bestäubte die Narbe einer Art jeweils mit dem Pollen der anderen Art. Die „Bastarde“, die aus diesen Kreuzungen entstanden, waren genau in der Mitte zwischen Vater und Mutter. Kölreuter schloss messerscharf, dass Vater und Mutter bei der Vererbung in gleichem Masse beitragen und dass die Erbanlagen also in doppelter Form vorliegen müssen. Das war die Steilvorlage für Mendel, der so auf die Idee der „verdeckten“ dominant-rezessiven Vererbung kam. Kölreuter wurde vom Haus von Baden nach Karlsruhe geholt, wo er den Botanischen Garten im Schloss begründete. Ohne es zu wissen, hatte er mit seinem Versuch die Vererbungslehre, die Genetik, begründet.

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