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Gagea spathacea - der Scheiden-Gelbstern

Gagea spathacea
Vegetative Pflanze des Scheiden-Gelbsterns, aufgenommen am einzigen Naturstandort Baden-Württembergs bei Bruchsal (Foto: M. Sommerfeld)

Der Scheiden-Gelbstern ist eine kleine, unscheinbare Art aus der Familie der Liliengewächse. Er kommt zerstreut in Bruch- und Auenwäldern sowie unterwuchsreichen Laubwäldern mittlerer Standorte in Nord- und Mitteldeutschland vor. Bei einer Exkursion der Botanischen Arbeitsgemeinschaft Nordbaden wurde der Scheiden-Gelbstern in der Lußhardt bei Bruchsal vollkommen unerwartet erstmalig in Baden-Württemberg beobachtet. Mittlerweile sind 14 Fundpunkte entlang von Gräben in den feuchteren Bereichen der Lußhardt bekannt.

Der Scheiden-Gelbstern wächst und blüht unauffällig und kann daher sehr leicht übersehen werden. Meist verbreitet er sich nur vegetativ; er bildet dann keine Blüten aus und sieht dem Schnitt-Lauch auf den ersten Blick sehr ähnlich, wie unser Bild zeigt.

Durch die Umwandlung naturnaher Wälder in Forste oder durch Waldbaumaßnahmen können die Bestände des Scheiden-Gelbsterns erheblich dezimiert werden. So ist die Art am Originalfundort fast vollständig verschwunden: durch Entfernen einzelner Bäume stellten sich halbschattige Lichtverhältnisse ein. In diesen findet der Scheiden-Gelbstern, der ausschließlich in tiefschattigen Wäldern wächst, nur noch wenig optimale Verhältnisse vor. Zudem nahmen die Bestände an Waldgräsern, welche die Entwicklung von Jungpflanzen des Scheiden-Gelbsterns verhindern, stark zu. Hohe Wildschweinbestände wirken sich hingegen postiv auf die Populationen des Scheiden-Gelbstern aus: die Wildschweine reißen die Pflanzendecke auf, schaffen neue Stellen mit offenem Boden und verteilen gleichzeitig die Brutzwiebeln im Boden.

Durch das Entfernen einzelner Bäume an den Fundorten des Scheiden-Gelbstern in der Lußhardt könnten alle Populationen der Art in Baden-Württemberg schlagartig ausgerottet werden. Damit der Scheiden-Gelbstern, für dessen Erhaltung Deutschland eine hohe Verantwortung besitzt, durch minimale Waldbaumaßnahmen an den Wuchsorten nicht unerwartet ausstirbt, wurde die Art in das Projekt "Wildpflanzen-Schutz Deutschland" aufgenommen.