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01.04.2022: Auf der Jagd nach Lysin.

Bisher standen vor allem Omega-3-Fettsäuren im Mittelpunkt des Projekts. Der peruanische Amaranth (kiwicha) hat jedoch noch weit mehr zu bieten. Schon Luis Sumar Kalinowski, der kiwicha in den 70er Jahren wiederentdeckt und seinen Anbau in Peru propagiert hatte, veranlasste Untersuchungen, bei denen man Proteingehalte und -zusammensetzung verschiedener Amarantharten verglich. Dabei zeigte sich, dass kiwicha besonders hohe Gehalte der wichtigen Aminosäure Lysin aufwies. Dieser Baustein unserer Proteine ist für Pflanzen eine "teure" Angelegenheit, weil er eine zweite Aminogruppe enthält, wofür bioverfügbarer Stickstoff gebraucht wird. Daher enthalten pflanzliche Proteine häufig weniger Lysin als tierische Proteine. Wer sich also vegan ernährt, muss darauf achten, genug Lysin zu sich zu nehmen. Häufig wird Lysin als Nahrungsergänzungsmittel komplementiert. Das muss eigentlich nicht sein - man könnte stattdessen von den Inka lernen und einfach täglich eine gewisse Menge kiwicha zu sich nehmen, um seinen Lysinbedarf zu decken. Daher durchkämmen wir derzeit unsere Amaranthsammlung nach Sorten, die besonders viel Lysin produzieren.

21.01.2022: Kiwicha in Gefahr.

Der echte peruanische Amarant (A. caudatus), auch als Kiwicha bezeichnet, ist züchterisch noch nicht so erschlossen wie seine mexikanischen Geschwister, die den internationalen Handel dominieren. Kiwicha hat jedoch einige ernährungsphysiologische Vorzüge - etwa ein höherer Gehalt an Antioxidantien, ein höherer Gehalt an ungesättigten Fettsäuren und ein höherer Gehalt der in pflanzlichen Proteinen oft seltenen Aminosäure Lysin. Damit diese wertvollen Eigenschaften erhalten bleiben und weiterentwickelt werden können, ist es wichtig, auf die Echtheit des Saatguts zu achten. Leider fehlt vielen Amarant-Anbauern in Peru das Wissen um die Verschiedenheit von Amarant. Es wird daher häufig auch importiertes Saatgut eingesetzt. Dies könnte die Existenz von Kiwicha in Gefahr bringen, nicht nur weil er seltener gepflanzt wird, sondern auch, weil es zu Vermischungen kommt, so dass er zunehmend seine Eigenart verliert. Wir wollten herausbekommen, ob wir hier nur Gespenster sehen oder ob dieses Problem schon relevant ist. Die Antwort ist ein klares Ja. Von 12 im Sommer 2021 in Peru gesammelten Saatgutproben stellten sich 3 als "falscher Kiwicha" heraus. Dies konnte mit dem von unserem Mitarbeiter Dr. Adnan Kanbar entwickelten genetischen Fingerabdruck zweifelsfrei festgestellt werden. Es ist also höchste Zeit, sich über Qualität und Echtheit von Amarant-Saatgut in Peru Gedanken zu machen. Kontakt: Prof. Dr. Peter Nick