Home | english  | Impressum | Datenschutz | Sitemap | KIT

Dracocephalum moldavica - der Moldawische Drachenkopf

Drachenkopf
Beim Moldawischen Drachenkopf wird der Pollen über einen Hebel auf den Hinterleib der Hummel getupft.
Drachenkopf
Auf dieser Zeichnung von Michael Rühle ist gezeigt, wie beim Skandinavischen Drachenkopf eine neue Art der Bestäubung dazu führt, dass der Pollen an einer anderen Stelle landet.

Der Moldawische Drachenkopf, auch Türkische Melisse genannt, kommt weder von der Moldau in Tschechien noch aus dem Land Moldawien. Vielmehr stammt dieser prächtig blau leuchtende Lippenblütler aus Mittelasien. Wie viele andere Gattungen sind auch die Drachenköpfe sehr artenreich und unterscheiden sich stark in ihren Inhaltsstoffen. Der Moldawische Drachenkopf duftet etwa unglaublich stark nach Zitronen und ist daher seit einigen Jahren eine Renner auf dem Teemarkt. Er riecht nicht nur gut, sondern hilft gegen Gefäßerkrankungen und chronische Schmerzen. Er ist also im Grenzbereich Ernährung und Gesundheit angesiedelt und wir untersuchen an diesem Beispiel ein derzeit grassierendes gesellschaftliches Problem:

Immer mehr Menschen interessieren sich für gesunde Ernährung. Im Zeitalter der Globalisierung drängen daher immer mehr Produkte aus dem Grenzbereich Nahrung und Medizin auf den europäischen Markt, die oft aus der Heilungs- und Lebenstradition anderer Kulturen stammen. Ayurveda und Traditionelle Chinesische Medizin sind die bekanntesten. Aber  bekommen die Verbraucher in Europa immer das, was auf der Packung steht? Bei den oft exotischen Zutaten in Tees und Gewürzmischungen ist das zumeist ungewiß. Die Behörden sind mit der Überprüfung solcher Produkte überfordert. Wer kennt diese Pflanzen? Wer kann die Echtheit der daraus hergestellten Produkte überprüfen? Die Produktion für solche Modepflanze kann mit der gestiegenen Nachfrage oft nicht Schritt halten - daher wird hier gerne mit der ähnlich aussehenden Melisse oder Katzenminze "nachgeholfen"...

Woran arbeiten wir?

Mithilfe von genetischen Markern haben wir inzwischen ein Verfahren entwickelt, mit dem man in Teemischungen "echten" Drachenkopf von seinen Verfälschungen (Zitronenmelisse oder Katzenminze) unterscheiden kann. Dazu wird ein bestimmter Genabschnitt mithilfe der Polymerase-Kettenreaktion (sogenannte PCR) vervielfältigt. Dieser Genabschnitt unterscheidet sich an einer bestimmten Stelle zwischen diesen Arten. Wir haben nun die PCR so abgewandelt, dass an dieser Stelle eine von uns präzise entworfene Sonde beim Gen aus Drachenkopf bindet, bei den anderen Arten nicht. Dadurch entsteht am Ende, wenn man die Produkte in einem Gel auftrennt, eine zusätzliche Bande, die uns anzeigt, dass die Probe tatsächlich Drachenkopf enthält.

Woran wollen wir arbeiten?

Wie viele anderen Lippenblütler auch, ist die Gattung Drachenkopf sehr artenreich und es gibt viele Übergänge zwischen den Arten. In der Öffentlichkeit wird viel über das Artensterben geredet, es gibt aber auch (Gottseidank) auch eine Neuentstehung von Arten. Beim Drachenkopf können wir hier der Evolution in ihrer Werkstatt zuschauen. Wir haben herausgefunden, dass es zwei Gruppen von Drachenköpfen gibt, die sich in ihrer Bestäubung unterscheiden und daher getrennte Wege (als eigene Arten) zu gehen beginnen. Arten sind also nicht Gott gegeben, sondern sie sind als Entwicklungswege zu begreifen - wir wollen dabei verstehen, wie kleine genetische Veränderungen dazu führen können, dass eine neue Art ensteht.