Maclura pomifera (Milchorange)

Besucher aus fernen Zeiten: die Knubbelfrucht der Milchorange wurde von inzwischen ausgestorbenen Riesenfaultieren verbreitet (Bild Karlheinz Knoch)
Die nahrhaften Samen im Innern werden heute nur noch von Grauhörnchen gespeist, sind aber eine wertvolle Quelle für medizinisch wirksame Antioxidantien

Im Spätherbst liegen diese Knubbelfrüchte auf dem Rasen beim Eingang des Botanischen Gartens wie Fundstücke von einem anderen Planeten. Sie stammen von einer weiblichen Milchorange (Maclura pomifera), einer amerikanischen Verwandten des bekannteren Maulbeerbaums. Ihre Ursprungsregion, das Dreiecksland zwischen Arkansas, Oklahoma und Texas, war das Stammesgebiet der Osage-Indianer, daher heisst die Milchorange auch Osagedorn. Nachdem sie Präsidenten Jefferson als Präsent zugeschickt wurde, erlangte sie in den ganzen USA große Berühmtheit und wurde als Straßenbaum angepflanzt. Die Früchte können bis zu einem Kilo schwer werden und man hat lange gerätselt, für wen sie ursprünglich bestimmt waren - momentan scheinen sich nur Grauhörnchen dafür zu interessieren, die aber große Schwierigkeiten haben, diese schweren Knubbelmonster abzuschleppen. Inzwischen weiss man, dass die Adressaten schon lange ausgestorben sind - es waren die früher in Nordamerika heimischen Riesenfaultiere, die bis zu 6 Meter hoch werden konnten und so die nahrhaften Früchte ernten und die Samen verbreiten konnten. Also ist die Milchorange so was wie ein fossiler Gruß einer untergegangenen Welt.