Kölreuters Entdeckung

Kölreuter
By a simple, but ingenious experiment, Joseph Kölreuter won the Award of the Russian Academy of Sciences and later became the first director of the Botanical Garden.
Koelreuterversuch
The crucial point in Kölreuter's experiment - the hybrid shows traits from both, father and mother. This meant that factors of inheritance were blended.

 

Die Frage, ob Pflanzen ein Geschlechtsleben kennen bewegte im 18. Jahrhundert die Gemüter. Zwar war schon bekannt, dass man Blüten bestäuben muss, um Früchte zu erhalten, aber man sah den Pollen nur als eine Art Erwecker der „Keime“, die in der weiblichen Blüte schlummern.

Die Vorstellungen über Sexualität waren noch sehr nebulös – man glaubte, dass auch beim Menschen die Frau nur als Gefäß diene, in dem der männliche Samen sich zu einem neuen Menschen entwickelt. Um diese Debatte zu entscheiden, schrieb die russische Zarin Katharina die Große einen Preis aus:

Der Preis ging an Joseph Kölreuter für einen verblüffend einfachen Versuch, der den Streit entschied. Er benutzte zwei wilde Tabakarten, die sich in ihrer Blütenform deutlich unterschieden und bestäubte die Narbe einer Art jeweils mit dem Pollen der anderen Art. Die „Bastarde“, die aus diesen Kreuzungen entstanden, waren genau in der Mitte zwischen Vater und Mutter. Kölreuter schloss messerscharf, dass Vater und Mutter bei der Vererbung in gleichem Masse beitragen und dass die Erbanlagen also in doppelter Form vorliegen müssen. Das war die Steilvorlage für Mendel, der so auf die Idee der „verdeckten“ dominant-rezessiven Vererbung kam. Kölreuter wurde vom Haus von Baden nach Karlsruhe geholt, wo er den Botanischen Garten im Schloss begründete. Ohne es zu wissen, hatte er mit seinem Versuch die Vererbungslehre, die Genetik, begründet.